Was tut sich bei der Seebrücke Altdorf?
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Unsere Arbeit besteht v.a. darin, die unhaltbaren Bedingungen an den europäischen Außengrenzen immer wieder ins Bewusstsein zu bringen.
WER NICHT DABEI WAR, HAT WAS VERPASST!
Eine beeindruckende Veranstaltung, die die Seebrücke Altdorf da in Kooperation mit der Stadt Altdorf auf die Beine gestellt hat: In der Reihe „Altdorf schaut hin" referierte Migrationsforscherin Dr. Judith Kohlenberger aus Wien über die gegenwärtige deutsche und europäische Migrationspolitik. Zwar konnte Dr. Kohlenberger nicht persönlich anwesend sein, sondern war über Video aus Brüssel zugeschaltet, das machte ihren Vortrag aber nicht weniger eindrucksvoll. Die Veranstaltung war trotz Hitze extrem gut besucht und die Zuhörer durchwegs begeistert, sowohl vom inhaltlichen Konzept des Vortrags wie auch von der lebendigen, klaren und auch äußerst sympathischen Vortragsweise der Referentin. Überzeugend legte Kohlenberger dar, dass die Migration wie ein Brennglas wirkt, unter dem bestehende gesellschaftliche und politische Herausforderungen größer erscheinen. Mit der Migrationspolitik sollen strukturelle Problemlagen der Sozialpolitik, Wohnungspolitik, Bildungspolitik, Gesundheitspolitik etc. gelöst werden, was so nicht gelingen kann, weil an den falschen Ursachen angesetzt wird. Rechtsradikale und rechtspopulistische Parteien seien in Wahrheit gar nicht an einer Lösung von Migrationsproblemen interessiert. Im Gegenteil: die Fortdauer der Probleme sichert den Rechtspopulisten den Zulauf. Als Folgen einer verfehlten Migrationspolitik sind Verrohung nicht nur gegen Flüchtlinge, sondern auch gegen (ansässige) Migrant:innen und Minderheiten zu beobachten sowie eine erschreckende Erosion der Rechtsstaatlichkeit, die nicht auf das Thema Migration beschränkt bleibt, sondern auch im Inneren der Staaten wirkt. Kohlenberger endete aber auf einer positiven Note mit vier Vorschlägen, wie der „neuen Härte" entgegen gewirkt werden kann. Wer sich genauer informieren will, dem seien die Bücher von Judith Kohlenberger empfohlen (erhältlich in Altdorf bei der Buchhandlung Lilliput).
Foto: Mariam Mohseni